Zehntausend Stiche

Als ich ihn kennenlernte, war ich gerade an dem Punkt angekommen, an dem ich Tinder wegen Unvermittelbarkeit verlassen hatte. Ich war immer zu schnell überemotional. An dieser Grundproblematik konnten vier Therapeuten nichts ändern.

Ich hatte ihm, meiner Meinung nach, sehr klar gemacht, dass ich ihn toll fand und unser kontinuierlicher, intensiver, täglicher, stundenlanger Kontakt bestärkte mich in der Annahme, dass er das genauso sah. Ich genoss die Aufmerksamkeit, die er mir ohne Bitten schenkte und die Tatsache, dass er keine Machtspielchen mit melden oder nicht melden spielte.

Nach drei Treffen, einem Monat und unzähligen Nachrichten wollte ich wissen, wie er das so sah.

Und es riss mir das Herz aus der Brust.

Ich lag einen ganzen Tag, 24 Stunden, schlaflos in meinem Bett und wechselte zwischen leisen Tränen, die still über meine Wangen liefen, sich ihren Weg über meine Nasenflügel bahnten, um letztendlich im Kopfkissen zu versickern und akuten Heulkrämpfen, die mir den Atem raubten und jeden Moment drohten, mir den Erstickungstod zu bescheren. Alles, was ich gewollt hatte, war eine kleine Sicherheit, ein Netz, das mich auffangen und in meiner Empfindung bestärken würde. Was ich bekommen hatte, war Panik und Trauer. Es war, als hätte er mir mit zehntausend Nadeln ins Herz gestochen. Ich spürte nur noch Schmerz. Meine Lungenflügel brannten von der kalten Luft, die ich immer wieder hektisch zwischen meinen Schluchzern in mich sog. Es fühlte sich an, als drückte mein Herz auf die Lunge und schien ihr keinen Platz mehr zu lassen. Ich konnte mich einfach nicht mehr beruhigen, wenngleich meine Tränen nichts daran ändern würden, dass er fort war.

Ich weiß nicht, ob ihr euch je so gefühlt habt, aber ich wünsche es keinem von euch. Verliebt zu sein, sollte das Schönste auf der Welt sein – und kein Martyrium, durch das ihr euch quälen müsst.

Das Gefühl, der Druck, der von meinem Herzen ausging, drohte mich von Innen heraus zu zerfetzen, in roten Nebel zu zerlegen, der sanft, wie ein Schleier die Welt benetzen würde.

Ich krallte mir selbst meine Nägel in meinen Arm, damit der Druck entweichen konnte. Der seelische Schmerz war so unerträglich geworden, so übermächtig, dass ich mich davon erlösen musste. Meine Fingernägel bohrten sich in meine Haut, fester, immer fester. Mit aller Kraft, die ich aufbringen konnte, nur, damit es greifbar wurde. Seelischer Schmerz war unberechenbar, unbeschreiblich und unfassbar schlimm, während körperlicher Schmerz viel leichter zu ertragen war. Wenn du einen Arm gebrochen hast, dann sieht es jeder. Wenn du Depressionen hast, sieht es keiner. Gleiches Prinzip.

Eine Welle des Schmerzes durchströmte meinen Arm und ich konnte für einen Moment aufhören zu weinen. Scheiße verdammt, ich hatte mir tatsächlich weh getan.

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Vom Alleinsein

Soon will be thirty years old.

Die Zeit rast vorüber. War ich gestern erst fünfzehn mit meinem ersten Freund. Plötzlich war ich neunzehn Jahre alt und habe meinen Dritten verlassen. Und plötzlich bin ich fast fünfundzwanzig und seit bald drei Jahren alleine.

Allerdings habe ich mich in den drei Jahren selten einsam gefühlt. Ja, alleine, aber nicht einsam. Obwohl ich zugeben muss, dass eine Weile ein großer Teil meiner Zeit fürs Onlinedating drauf gegangen ist. Und ja, manchmal habe ich mich dann einsam gefühlt.

Es gab so viele Christians, Christophs, Sebastians und Stefans. Unzählige. Und doch kann ich mich an keinen mehr erinnern. Denn sie waren alle kurzlebig und haben keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Ab und an gab es ein zweites Mal aufeinander treffen und viele konnten sich an mich erinnern. Bin ich besonders prägnant, weil ich einzigartig oder verrückt bin?

Wenn ich jetzt auf die letzten drei Jahre zurück blicke, wie kurzweilig sie mir vorkommen und wieviel Herzschmerz und Euphorie sie mir beschert haben, glaube ich, dass ich alles richtig gemacht habe.

Aber irgendwann wird es Zeit für neue Wege und Erfahrungen und ich hoffe, dass ich eben genau diese bald beschreiten und erfahren werde.

 

Polyamorer Bullshit

Gerade erst hatte ich eine Auseinandersetzung mit einem Mann, den ich schon eine Weile sehr toll fand, weil ich das Gefühl habe, dass es keine datebaren Männer mehr gibt. Jeden Tag höre ich neuen gequirlten Mist über Mütter, Exfreundinnen, Nebenfreundinnen, Teilzeitfreundinnen und Vielleichtfreundinnen.

Ich stelle mir ernsthaft die Frage, ob mit mir etwas nicht stimmt, weil ich lediglich jemanden zu finden versuche, der mit mir weder seiner Mama noch seiner Ex hinterherhechelt und weiterhin nicht das Bedürfnis hat, mit 27 Frauen gleichzeitig zu schlafen.

Die Anzahl an Dates, die ich hatte, war immens und obwohl ich vorher immer evaluiert habe, ob das gründsätzlich überhaupt funktionieren könnte, kommt nach und nach immer ein neuer Abgrund ans Licht der Tatsachen.

Und ich frage mich, was mit diesen Leuten nicht stimmt, dass sie auf Datingsuche gehen, wenn offenbar (die Polyamoren mal außenvor) diejenigen gar nicht bereit dafür sind, sich auch nur Ansatzweise auf jemanden einzulassen.

Liebe Männer, was zu Geier ist da los?

Thilo und Elisa – ein Auszug

Meine Lieben,

ich schreibe zur Zeit an einem längeren Werk, dass ich vermutlich nicht auf Ceallaghcallahan.wordpress veröffentlichen werde. Dennoch wollte ich euch die Möglichkeit geben, einmal reinzuschnuppern 🙂

Deswegen findet ihr einen Ausschnitt des bisherigen Werks auf ceallaghcallahan.wordpress.com/blueprints

Bis bald,

Elisa

Her name is Elisa.

„Her name is Elisa“

„If I had a world of my own, everything would be nonsense.
Wenn ich eine Welt für mich alleine hätte, wäre alles darin Unsinn.
Nothing would be what it is, because everything would be what it isn’t“.
Nichts wäre, wie es ist, denn alles würde sein, was es nicht ist.

I invite you to a world, where there is no such thing as time.

Ich lade dich in eine Welt ein, in der keine Zeit existiert.
And every creature lends themselves to change your state of mind.
Und jede Kreatur sich selbst verleiht, um dein Bewusstsein zu ändern.
And the girl that chased the rabbit, drank the wine, and took the pill;
Und das Mädchen, dass den Hasen verfolgte, den Wein trank und die Pille nahm;
has locked herself in limbo to see, how it truly feels:
sich selbst in den Limbus sperrte, um herauszufinden, wie es sich wahrlich anfühlt:

To stand outside your virtue,

Abseits deiner Tugend zu stehen,
no one can ever hurt you
niemand kann dir weh tun
or so they say:
oder so wie sie sagen:

Her name is Elisa (Elisa).

Ihr Name ist Elisa.
She crawls into the window
Sie krabbelt in das Fenster
through shapes and shadows.
durch Formen und Schatten.
Elisa (Elisa).
Elisa.
And even though she’s dreaming, she knows.
Und obwohl sie träumt, weiß sie es.

Sometimes the curiosity can kill the soul, but leave the pain.

Manchmal kann die Neugier die Seele töten, aber den Schmerz hinterlassen.
And every ounce of innocence is left inside her brain.
Und jede Unze Unschuld bleibt in ihrem Gehirn.
And through the looking glass, we see she’s painfully returned.
Und durch den Spiegel sehen wir, dass sie schmerzhaft zurückkehrte.
But now off with her head; I fear is everyone’s concern.
Aber nun, mit ihrem abgeschlagenen Kopf; befürchte ich, dass es jeden betrifft.

You see there’s no real ending.

Du siehst, es gibt kein richtiges Ende.
It’s only the beginning:
Es ist gerade erst der Anfang.
Come out and play.
Komm‘ raus zum spielen.

Her name is Elisa (Elisa).

Ihr Name ist Elisa.
She crawls into the window,
Sie krabbelt in das Fenster,
through shapes and shadows.
durch die Formen und Schatten.
Elisa (Elisa).
Elisa.
And even though she’s dreaming:
Und obwohl sie träumt:
She’s unlocked the meaning for you.
Hat sie Bedeutung für dich.

This kingdom;

Dieses Königreich.
Good riddance;
Gute Befreiung
Her freedom;
Ihre Freiheit
And innocence:
und Unschuld:
Has brought this whole thing down.
Hat dieses ganze Ding auf den Boden der Tatsachen gebracht.

Her name is Elisa (Elisa).

Elisa.
She crawls into to the window.
Sie krabbelt in das Fenster.
through shapes and shadows.
Durch Formen und Schatten.
Elisa (Elisa).
Elisa.
And even though she’s dreaming:
Und obwohl sie träumt:
She’s unlocked the meaning.
Hat sie Bedeutung.

(„Red knights, white knights, marching into the fight“)

Rote Ritter, weisse Ritter, maschieren in den Kampf
(„Drink me, shrink me, fill me to sink me“)
Trink mich, schrumpfe mich, fülle mich, um mich zu versenken.
(„Red knights, white knights, marching into the fight“)
Rote Ritter, weisse Ritter, maschieren in den Kampf.
(„Drink me, shrink me, fill me to sink me“)
Trink mich, schrumpfe mich, fülle mich, um mich zu versenken.

She’s unlocked the meaning for you.

Sie hat Bedeutung für dich.
(„And contrariwise, what it is it wouldn’t be“)
Und umgekehrt: Was es ist, wäre es nicht.
(„And what it wouldn’t be it would“)
Und was es nicht wäre, wäre es.
(„You see?“)
Verstehst du?

Fait accompli

Ich vermisse dich nicht.

Ich denke oft an dich, aber du fehlst mir nicht.

Alles ist besser seit du mich hast gehen lassen.

Wenn du mich zurück wolltest, wäre das nicht möglich. Denn es gibt kein Zurück. Es gibt keine zweite Chance für uns. Und es gab nie ein ‚uns‘.

Und ich vermisse dich nicht. Meistens.